Seit 10 Jahren ist Stéphane Montangero Generalsekretär von Fourchette verte Suisse. Ein kurzes Interview anlässlich des 25-jährigen Jubiläums zur Einführung des Labels für ausgewogene Ernährung.

Fourchette verte wurde vor 25 Jahren gegründet. Ist Ihr Verband bereits im Erwachsenenalter angekommen?
Ja und nein. Auf jeden Fall sind wir seit dem Start am 20. Dezember 1993 in Genf stark gewachsen und haben uns in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Verbände in unserem Bereich entwickelt. Heute sind 17 Kantone Mitglied von Fourchette verte. Unsere Marke ist in der lateinischen Schweiz zwar erwachsen, in der deutschsprachigen Region jedoch noch sehr jung.

Was waren die wichtigsten Änderungen?
Das Label wurde ursprünglich für Cafés und Restaurants entwickelt. Es hatte einige «revolutionäre» Aspekte wie z. B. die Forderung nach einem rauchfreien Raum. Die Fortschritte, die wir seither erzielt haben, sind augenscheinlich. Und wir bieten jetzt sieben Versionen des Labels an, vom Kleinkind bis zum Senioren.

Was noch?
Sehr schnell erkannten die Behörden das grosse Potenzial einer Strukturmassnahme im Lebensmittelbereich, genauer gesagt in der Gemeinschaftsverpflegung. So erhält beispielsweise ein Kind in einer Krippe mit unserem Label die Garantie für eine ausgewogene Ernährung, unabhängig von der soziokulturellen Herkunft. Die Kleinen erhalten so bereits sehr früh einen Ernährungskompass, nicht nur für Geschmack, sondern auch für Proportionen.

Was verstehen Sie unter Strukturmassnahmen?
Eine Strukturmassnahme zielt darauf ab, das direkte Umfeld so zu verändern, dass es dem angestrebten Ziel besser dient. Als es darum ging, das «Binge Drinking» junger Menschen zu reduzieren, war eine der strukturellen Massnahmen, die Verkaufszeiten von Alkohol in Ladenlokalen einzugrenzen. Im Bereich der Ernährung sind das systematische Angebot einer ausgewogenen Mahlzeit in Krippen/Schulen oder die Umwandlung von Süssigkeiten-/Chipsautomaten in Apfelautomaten zwei Möglichkeiten, die Umwelt in Richtung einer gesünderen Lebensweise zu verändern.

Wir befinden uns in einer Welt, die sich extrem schnell entwickelt. Wie folgt Ihr Handeln diesen Trends?
Wir haben daran gearbeitet, diese Trends zu antizipieren. Zum Beispiel mit der Verpflichtung, erschwingliche alkoholfreie Getränke bereitzustellen oder Nichtraucherzonen zu verlangen. Oder als wir darum baten, organische Abfälle systematisch zu sortieren. Für die Zukunft setzen wir seit 2016 neben strengen Ernährungskriterien auch Fourchette verte – Ama terra ein, um auch der nachhaltigen Entwicklung Rechnung zu tragen.

Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Fourchette verte hat von Anfang an empfohlen, dass die Menüs auf dem Saisonkalender basieren und nach Möglichkeit biologische oder nachhaltige Agrarprodukte verwendet werden. Mit der Entwicklung von FV – Ama terra konnten wir einen Schritt von der Empfehlung zur Anforderung machen. So werden alle Aspekte der nachhaltigen Entwicklung nicht nur auf dem Teller, sondern auch um ihn herum weiter vorangetrieben. Dabei bleibt natürlich das Nahrungsgleichgewicht auf den Tellern erhalten.

Einige Kritiker sagen, dass „Fourchette verte“ kompliziert, zu teuer, zu viel ist….. Richtig oder falsch?
Es wird immer Menschen geben, die unsere Kriterien für zu streng halten und andere, die sie weiter verschärfen wollen. Wir unsererseits befürworten einen pragmatischen Ansatz. Dialog ist wichtig, um sicherzustellen, dass sich Orte mit dem Label Fourchette verte wohl fühlen. Darüber hinaus haben wir einen Prozess eingeleitet, um unsere Kriterien so weit wie möglich zu vereinfachen, indem wir nicht der Qualität weichen, sondern sie 1:1 replizieren. Da der ideale Fourchette verte-Teller aus ½ Gemüse, 1/3 Stärke und 1/6 Protein besteht, wirkt sich dies kostenmässig automatisch nach unten aus.

Fourchette verte ist im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung tätig. Sollte sie nicht über diesen Rahmen hinausgehen und beispielsweise Eltern und Familien ansprechen?
Das tun wir bereits. Häufig werden Elternabende von den kantonalen Sektionen organisiert, z.B. wenn das Label an ein Unternehmen vergeben wird. Auf unserer neuen Website (www.fourchetteverte.ch) finden Sie auch eine Reihe von Rezepten und nützlichen Tipps. Diese Aspekte wollen wir weiter entwickeln, wobei wir natürlich weiterhin vor allem im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung tätig sind.

Fourchette verte, was bedeutet das in ein paar Zahlen?
Wir verfügen über mehr als 1600 zertifizierte Betriebe, darunter befinden sich 1190 Institutionen mit Personen unter 16 Jahren. Das sind 117’295 Fourchette verte-Menüs, die täglich in der ganzen Schweiz serviert werden. Wir haben 17 Kantonssektionen. Wir haben auch einen Freiwilligenausschuss, dem ich für sein Engagement und herzlich danken möchte. Ganz besonderen Dank auch an unsere Präsidentin, Frau Anne-Claude Demierre, Gesundheitsdirektorin des Kantons Freiburg.

Und schliesslich eine persönlichere Frage: Was war das bedeutendste Ereignis und/oder Ihr grösster Stolz?
Das vielleicht bedeutendste Ereignis war der Brand in unseren Büros vor 10 Jahren, der fast alles ausser elektronischen Dokumenten vernichtete. Stolz bin ich besonders darauf, dass Fourchette verte langfristig funktioniert. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen unsere Strukturmassnahmen auf die Ernährung zukünftiger Erwachsener haben werden. Und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um die Grundlagen von Fourchette verte zu bewahren und zeitgleich dafür sorgen, dass wir uns langfristig weiterentwickeln.